Logo_MKB_2010.jpg
Jülich Optische und elektronische Geräte

Ehlert &  Partner
Handelsgesellschaft und  Fachbüro für Biologie

Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Bernd-Blindow-Schule Bonn

Leica Microsystems

Carl Zeiss

MKB Exkursion Rabenlay und Siebengebirge

Gespannt lauschen die MKBler und ihre Gäste der Einführung des Referenten Prof. Holger Adelmann.
Oberkassel, den 05.11.2011

Anfang November war es so weit: die lange vorbereitete geologische Exkursion des MKB konnte beginnen. Bei bestem Wetter wurden der große Basaltsteinbruch an der Rabenlay und verschiedene Aufschlüsse im Siebengebirge besucht. Und natürlich gab es auch wieder Gelegenheit zum Tümpeln sowie aufgrund der in diesem Jahr extrem langen Vegetationsperiode einige interessante botanische Entdeckungen.
Der Startpunkt war auf dem Parkplatz am Sportplatz Oberkassel mit einigen grundsätzlichen Erläuterungen von unserem Referenten Prof. Holger Adelmann zur geologischen Geschichte des Siebengebirges und seiner näheren Umgebung. Anschließend ging es für die MKBler und ihrer Gäste zum Einstieg in den alten Steinbruch mit seinen über 60 Meter hohen Basaltwänden.
Wer sich thematisch ein wenig einlesen möchte, ist mit dem kleinen Band Vulkane im Siebengebirge bestens bedient.
Gibt es im Basaltbruch aus der alten Halde am Fuße der Rabenlay noch Interessantes zu entdecken?
Im Steinbruch an der Rabenlay wurde noch bis 1930 Basalt abgebaut. Unterhalb der Steilwand mit den eindrucksvollen Basalt- säulen findet sich eine Halde aus Basaltbruch. Einige der dort aufgelesenen kleine Handstücke wurden aufge- schlagen und mit der Lupe auf etwaige Einschlüsse wie z.B. Olivin untersucht.  
1914 wurde im Steinbruch unter flachen Basaltplatten das Doppelgrab von Oberkassel gefunden. Neben den Skeletten einer Frau und eines Mannes befanden sich auch die Überreste eines Hundes - ein Hinweis auf die "spätpaläolithischen Haustierwerdung des Wolfes" (Günter Nobis). Die Funde befinden sich nun im LVR-Landesmuseum in Bonn, die 1989 vom Heimatverein aufgestellte Gedenktafel haben wir trotz Wegweiser leider nicht gefunden. 
Im Stollen
An der Nordseite des Steinbruchs mündet ein alter Arbeitsstollen auf etwa halber Höhe in der Steilwand. Der Einstieg auf der Rückseite der Bergflanke war nur nach einiger Kraxelei auf versteckten Pfaden zu erreichen, aber die An- strengung wurde mit einem grandiosen Blick über den Steinbruch und Oberkassel bis hin zum Drachenfels und dem Rhein belohnt.
Genau im Mündungsloch des Stollens fanden wir so spät im Jahr noch eine Anzahl Raupen des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae), die sich in der Sonne an einem Kreuzblütengewächs gütlich taten.
 
Raupe des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) an einem Kreuzblütengewächs (Brassicaceae).
Eine genaue Bestimmung der Pflanze war uns auch wegen des kümmerlichen Wuchses nicht möglich.
Raupe des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) an einem Kreuzblütengewächs (Brassicaceae). Eine genaue Bestimmung der Pflanze war uns auch wegen des kümmerlichen Wuchses nicht möglich.
Im Herbst ist der Besatz auf dem im Wasser treibenden Laub besonders interessant.
Ein Stückchen weiter nördlich findet sich ein versteckter kleiner Tümpel, von dem wir einige Wasserproben genommen haben. Neben einigen Ruderfußkrebsen fanden sich darin auf ins Wasser gefallenen welken Blättern verschiedene Amöben und Trompetentierchen.
Die Wiese vor dem Tümpel zeigte massive Spuren vom nächtlichen Besuch der Wildschweine und einen schönen Bestand vom Gefleckten Lungenkraut (Pulmonaria officinalis).
Der Gemeine Wirbeldost (Clinopodium vulgare) steht noch in voller Blüte (in der Literatur ist die Blütezeit von Juli bis September angegeben).
Der Gemeine Wirbeldost (Clinopodium vulgare) steht noch in voller Blüte (in der Literatur ist die Blütezeit von Juli bis September angegeben).
Holger Adelmann erläutert die Bildung eines Umläufers
Der nächste Anlaufpunkt war der Stenzelberg oberhalb der Klosterruine Heisterbach. Bis 1931 wurde dort Quarz-Latit abgebaut, der dort im späten Oligozän (vor etwa 25 Millionen Jahren) in Form einer Quellkuppe in den Tuff eingedrungen war, ohne diesen zu durchbrechen. Nach der Hebung des Siebengebirges und der Erosion des weichen Tuffgesteins blieb die Latit-Kuppe stehen und wurde schon seit dem  11. Jahrhundert als Steinbruch genutzt. Das dort gebrochene Material wurde unter Anderem beim Bau des Klosters Heisterbach und des Bonner Münsters verwendet.
Heute sieht man noch zwei eindrucksvolle Abbauschluchten und die bekannten freistehenden Umläufer auf der Westseite des Berges. Der Quarz-Latit des Stenzelberges ist bekannt für seine teils recht großen Einschlüsse aus Hornblende.
Tuff-Aufschluß gegenüber der Auffahrt zum Petersberg
Vor der wohl verdienten Mittagspause gab es noch einen kurzen Halt an einem sehr schönen kleinen Tuff-Aufschluß gegenüber der Auffahrt zum Petersberg. Dort kann man auf einem guten Quadratmeter Fläche die Entstehung der Tuffschichten des Sieben- gebirges nachvollziehen.
Tuff besteht zu mindestens 75% aus vulkanischen Pyroklasten (Auswurfgesteine vulkanischen Ursprungs) und feinkörnigen Vulkanaschen. Die hier aufgeschlossenen Schichten bestehen unten aus ganz feinem Material, das nur wenige Fremdminerale wie z.B. kleine Hornblende-Kristalle enthält und früher zum Ofenbau genutzt wurde (-> Ofenkaulen). In den höher liegenden Schichten kommen immer gröbere Körnungen von Bims dazu, der sich erst später abgesetzt hat, nachdem er sich mit Wasser voll gesogen hatte und so nicht mehr schwimmfähig war.
Mit Wasser voll gesogen? Die Vulkane des Siebengebirges lagen in ihrer aktiven Phase auf dem Grund eines flachen Meeres und so erfolgten die Ausbrüche - sofern das aufsteigende Magma nicht schon in einer Quellkuppe erstarrte - unter der Wasseroberfläche.  
Mittagspause im Haus Drachenloch
  • Impressionen von der Mittaspause im Haus Drachenloch (Weingut Pieper).
  • Impressionen von der Mittaspause im Haus Drachenloch (Weingut Pieper).
  • Impressionen von der Mittaspause im Haus Drachenloch (Weingut Pieper).
  • Impressionen von der Mittaspause im Haus Drachenloch (Weingut Pieper).
Die doppelte Intrusion im alten Steinbruch Kühlsbrunnen
Nach der Pause stand als letzter Punkt der Steinbruch Kühlsbrunnen auf dem Programm, der vom Parkplatz am Waldfriedhof Rhöndorf nach einem schönen Spaziergang durch den herbstlichen Wald des Siebengebirges zu erreichen ist. Dort wurde Trachyttuff gebrochen und dabei stieß man mitten im Tuff- vorkommen auf eine dop- pelte Intrusion von Alkali-Trachyt und Basalt, die als unbrauchbar stehen blieb und so heute noch zu sehen ist.
Dabei drang zunächst grauer Alkali-Trachyt in die Tuffablagerung eines früheren Ausbruchs ein und erkaltete dort. In einer noch späteren Phase vulkanischer Aktivität stieg dunkle Basalt-Lava auf und durchbrach den Trachyt in einem ca. einen Meter breiten Gang.  
Der Steinbruch Kühlsbrunnen um 1910. Aufnahme aus Johannes Uhlig: Die Entstehung des Siebengebirges; 1914.
T = Trachyttuff
A = Alkali-Trachyt (erste Intrusion)
B = Basaltgang (zweite Intrusion, quasi Intrusion in Intrusion)
Der Steinbruch Kühlsbrunnen um 1910. Aufnahme aus Johannes Uhlig: Die Entstehung des Siebengebirges; 1914. T = Trachyttuff A = Alkali-Trachyt (erste Intrusion) B = Basaltgang (zweite Intrusion, quasi Intrusion in Intrusion)
Bitte beachten: alle hier beschriebenen Aufschlüsse liegen im Naturschutzgebiet Siebengebirge. Gegen die Mitnahme eines kleinen Handstückes wird niemand etwas sagen, aber Hämmern am anstehenden Gestein ist verboten.
Dünnschliffe der hier angesprochenen Gesteine
  • Dünnschliff vom Basalt der Rabenlay. Aufnahme Holger Adelmann.
  • Dünnschliff vom Trachyttuff des Siebengebirges. Aufnahme Holger Adelmann.
  • Dünnschliff vom Alkali-Trachyt der Intrusion am Kühlsbrunnen. Aufnahme Holger Adelmann.
  • Dünnschliff vom Basalt der Intrusion am Kühlsbrunnen. Aufnahme Holger Adelmann.
  • Dünnschliff vom Basalt der Intrusion am Kühlsbrunnen. Aufnahme Holger Adelmann.
Vielen Dank an Prof. Holger Adelmann, in dessen Erläuterungen die Geschichte der Vulkane des Siebengebirges für alle Teilnehmer lebendig wurde.

Text :
Jörg Weiß
Bilder:
Rudolf Krönung
Oliver Seemann
Peter Voigt
Jörg Weiß
Mikrobilder :
Prof. Holger Adelmann
Strich_540_schmal.jpg

Bild des Monats

Zum Vergrößern auf das Bild klicken!
Juni 2012
Dünnschliff eines Quarzitschiefers aus den Italienischen Alpen, Dicke ca. 25 µm. Aufnahme von Holger Adelmann.
Zum Artikel
Mai 2012
Tracheen im Xylem des Korallenbaums, Spross, Färbung W3Asim II, Vergrößerung 200x. Aufnahme von Jörg Weiß.
Zum Artikel
April 2012
Porträt einer zwei Tage alten Fliegen. Aufnahme von Horst-Dieter Döricht.
Zum Artikel
März 2012
Aus der Schmelze kristallisiertes Methylsulfonal im polarisierten Licht. Aufnahme von Frank Fox
Zum Artikel
Februar 2012
Die Kieselalge Achnantes longipes. Aufnahme von Frank Fox
Zum Artikel
Januar 2012
Primäres Xylem und Markparenchym aus dem Spross der Gewöhnlichen Jungfernrebe. Ungefärbtes Präparat, Aufnahme von Jörg Weiß.
Zum Artikel
Dezember 2011
Flügelschuppen eines Großen Fuchses (Nymphalis polychloros) im Auflicht. Aufnahme Frank Fox.
Zum Artikel
November 2011
'Dazu muss ich sagen, dass es mir nicht um irgendeine Form wissenschaftlicher Fotografie ging. Ich habe wilde Gemische hergestellt und dann nachgesehen, wie das Produkt aus sah. ... Genieß' das Spiel der Farben und Formen.' Aufnahme von Herne.
Zum Artikel
Oktober 2011
Glockentierchen (Vorticellidae) im differenziellen Interferenzkontrast. Aufnahme von Frank Fox.
Zum Artikel
September 2011
Die Radiolarie Hexacontium papillosum aus einem Präparat von Albert Elger. Aufnahme von Päule Heck.
Zum Artikel
August 2011
Querschnitt durch den Spross des Gartenbambus (Fargesia murieliae). Vergrößerung 100x, Färbung W3Asim II. Aufnahme Jörg Weiß mit Leica C-Plan 10x an Leica DME. Kamera Canon PS A520.
Zum Artikel
Juli 2011
Micrasterias rotata aus einer Wasserprobe von der Wuppertalsperre. Aufnahme Holger Adelmann mit der Moticam 2300 am Leitz Orthoplan mit 40er Plan Fluotar und DIC.
Zum Artikel
Juni 2011
Bild 1
Angeschliffene Foraminifere aus einem Hydrobienkalk des Untermiozän. Fundort Dexheim bei Mainz. Präparation Fa. Krantz, Aufnahme Prof. Holger Adelmann.
Zum Artikel
Juni 2011
Bild 2
Kopf mit Mundwerkzeugen und vorderes Körperdrittel einer nicht näher bestimmten Zuckmückenlarve (Chironomus sp.). Präparation und Aufnahme von Frank Fox.
Zum Artikel
Mai 2011
Querschnitt vom Rollblatt des Strandhafers (Ammophila arenaria), Schnittdicke ca. 50 µm, Färbung Wacker W3A. Stitch aus 240 Einzelaufnahmen mit Zeiss Standard WL, Plan Apo 25x/0.65, Kamera Canon EOS 5D MK II mit Vollformat-Chip. Stitching mit Canon Photostitch.
Präparat von Jörg Weiß, Aufnahme von Joachim Schwanbeck.
Zum Artikel
April 2011
Eidechsenschwanz (Houttuynia cordata), Abdruck von der Blattunterseite, erstellt mit UHU Hart. Hellfeld.
Vergrößerung 200x, Länge des Bildausschnitts im Objekt ca. 0,5 mm. Aufnahme und Präparation von Jörg Weiß.
Zum Artikel
März 2011
Auskristallisierte Mineralstoffe aus flüssigem Kunstdünger. Zeiss Jenamed mit Planapochromat 12,4x CF250, polarisiert mit Lambda-Platte, Einzelaufnahme mit Vollformat-Kamera Canon 5D Mark II.  Aufnahme und Präparation von Frank Fox.
Zum Artikel
Februar 2011
Nadelquerschnitt der Schlangenhaut-Kiefer (Pinus heldreichii). Aufnahme und Präparation von Rolf-Dieter Müller, Stitch aus ca. 70 Einzelbilder. Schnittdicke 25 µm, Färbung Wacker W3A (Acridinrot, Acriflavin, Astrablau).
Zum Artikel
Januar 2011
Achtung, großes Bild!
Eidechsenschwanz (Houttuynia cordata), Leitbündel. Aufnahme von Prof. Holger Adelmann, Präparat von Jörg Weiß.
Zum Artikel
Dezember 2010
Metapelit, Dicke ca. 25 µm, Präparation durch Willi Tschudin, Aufnahme von Dr. Horst Wörmann.
Zum Artikel
November 2010
Simocephalus vetulus (Anomopoda), der Plattkopf- Wasserfloh. Aufnahme von Päule Heck.
Zum Artikel